Slider
Was ist etwas wert? Gibt es einen inhärenten oder absoluten Wert?
Ein Wert oder eine Wertschöpfung kann im materiellen oder ideellen Sinne verstanden werden.
Der Beitrag beleuchtet die verschiedenen Aspekte zum Thema Wert und Wertigkeit.

Über Wert und Wertigkeit


Was ist Wert - und was ist etwas wert?


Jeder verwendet den Begriff Wert, und fast jeder versteht etwas anderes darunter. Psychologisch betrachtet wird der Wert eines Gegenstandes im alltäglichen Sinne darin gesehen, dass er dazu geeignet ist, Lusterlebnisse oder positive Assoziationen hervorzurufen und dazu veranlasst, von ihm Besitz zu ergreifen. Wert ist demnach ein gefühlsmäßig als übergeordnet Anerkanntes. In Wahrheit aber ist "Wert" volatil und steht in zeitlicher, räumlicher und kontextueller Bedingtheit. Häufig wird von einem den Gegenständen inhärenten Wert ausgegangen. „Wert ist keine Eigenschaft irgendwelcher Dinglichkeit, sondern eine durch die Fähigkeit des Wertens erkennbare Wesenheit, zugleich die Bedingung für das Wertvollsein der Objekte“ (Schischkoff, Georgi: Philosphisches Wörterbuch. Stuttgart: Kröner, 1978, p. 747).

Meistens wird unter "Wert" die ökonomische Wertung einer Sache in Bezug auf Geld verstanden. Geld hat einen dominierenden Einfluss in Gesellschaft, Poltik und auch auf das Individuum erlangt. Das Selbstwertgefühl des Menschen und seine Lebenseinstellung werden zunehmend durch das Geld bestimmt und damit auch die Gegenstände, mit denen ein Mensch in Zusammenhang steht, die er bewertet oder auf eine bestimmte Art bewertet sehen möchte (vgl. Simmel, Georg: Philosophie des Geldes, nach 2. Ausg. 1907, Bd.  6, Berlin: Suhrkamp, 1989). „Das ist es (mir) wert“ oder „unter Wert gebe ich diesen Gegenstand nicht ab“ wird häufig in einer Kauf- oder Verkaufssituation geäußert. Es sind persönliche Aussagen zu einem Begriff, dessen allgemeines Verständnis vorausgesetzt wird, dessen Interpretation aber individuell ist. Die Vielheit der menschlichen Bedürfnisse und Gefühlsweisen erklärt die Verschiedenartigkeit der Wertung. Was einem von hohem Wert ist, besitzt für den anderen geringen oder gar keinen Wert. 

Im ökonomischen Kontext gilt: Einem Sachwert entspricht ein Geldwert. Ein Gegenstand ist somit ein dinghaftes Äquivalent zu dem werttragendem Medium Geld. Aus liberaler Sicht ist "Geld ein durch soziale Übereinkunft entstandenes Tauschmittel" (Thomas Mayer, Prof. a.d. Universität Witten-Herdecke). Ein Geldwert ist abhängig von zahlreichen Faktoren, die bei einem Tausch oder einer Wandlung eines Sachwerts eine Rolle spielen und sich auf das Ergebnis der Wandlung - Sache in Geld - unterschiedlich auswirken können. Ein Versteigerer wird regelmäßig mit der festen Überzeugung konfrontiert, dass es einen absoluten Wert, nämlich ein unabhängig von den Umständen definierbares Äquivalent eines Sachwerts ausgedrückt in Geld, gäbe. Dem Wertkonzept wird etwas Magisches zugesprochen. Es besteht manchmal sogar die Vorstellung, dass eine höhere Wirklichkeit namens „Wert“ existiere. Der Glaube an einen immanenten, unveränderlichen Wert setzt eine starre Welt voraus. Über hochpreisige Sachwerte existiert häufig die Meinung, mit der Zeit ergäbe sich zwangsläufig eine Wertsteigerung. Dieser Wunsch kann sich bewahrheiten – oder auch nicht. Das Vertrauen in ein diffuses Wertstabilitätsversprechen wird von Marktteilnehmern (Wirtschaftssubjekten) oder gesellschaftlichen Meinungsführern und Autoritäten genährt. Deren Wertsicherheitsversprechen impliziert das Versprechen einer Wertvermehrung. Doch der feste Wertglaube ist angesichts unseres komplexen Geldsystems durch permanente Liquiditätsausweitung unhaltbar. Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht hierbei von der „Machtergreifung des Inflationismus, der von der Mainstream-Ökonomie gern bagatellisiert wird.“ Die wahre Bedeutung einer so genannten Wertsteigerung läge darin, „dass sie einen abgründigen Wandel der Glaubensverhältnisse hinsichtlich ökonomischer Wertbestände erzeugt. Der Wertglaube selbst ist seit geraumer Zeit in die inflationäre Drift einbezogen.“ (Sloterdijk, Peter: Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Berlin: Suhrkamp, 2014, p. 201).

Aus diesen Überlegungen ist zu schließen, dass ein fester (Geld-)Wert irrational und unrealistisch ist. Welche weiteren Aspekte sind zum Thema Wert in Bezug auf Versteigerungen von Bedeutung? Außer einem monetären Äquivalent von Sachen oder Rechten ist "Wert" sowohl eine emotionelle Größe (individuelle Wertschätzung persönlicher Gegenstände oder Erinnerungsstücke), als auch ein über-individueller, moralischer Begriff. Dazu zählt der Werterhalt durch nachhaltiges, ressourcenschonendes Verhalten. Indem Sachwerte wiederverwertet und gebraucht werden, wird sowohl zum Schutz unserer Erde beigetragen, als auch die Arbeit der Produzenten gewürdigt, die diese Sache hergestellt haben. Das ist die Bedeutung des „Resale“ im Rahmen einer Versteigerung. Werte werden vom Käufer als wertvoll erkannt und umweltfreundlich in den Nutzungskreislauf re-integriert. Indem bei einer öffentlichen Versteigerung an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Sache in Geld gewandelt wird, nützt der Vorgang in dreifachem Sinne: 1. es wird dem Sachwert ein Geldäquivalent gegenübergestellt, das den betroffenen Parteien zugute kommt, 2. wird vom Käufer die Sache in ihrem Wert gewürdigt und 3. wird durch die Neuverwendung versteigerter Gegenstände ein wertvoller Beitrag für die Gesellschaft und damit zur Nachhaltigkeit geleistet.
Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag in Zusammenhang mit der Tätigkeit des Versteigerers: (hier klicken) > Über Nachhaltigkeit.
© Dr. Dagmar Eleonore Gold

Adresse

DEUTSCHE PFANDVERWERTUNG
Ostermayer & Dr. Gold GbR
Bierhäuslweg 9, D-83623 Dietramszell

Tel. +49 (0)8027 - 90 89 928
Fax. +49 (0)8027 - 90 89 932
office@deutsche-pfandverwertung.de

Newsletter

Sie möchten aktuelle Informationen zu unseren Versteigerungsterminen?
Dann tragen Sie bitte hier Ihre E-Mail ein:


Sie möchten keine E-Mail-Newsletter mehr erhalten?
> Hier können Sie sich abmelden. <

© 2017 DEUTSCHE PFANDVERWERTUNG, Ostermayer & Dr. Gold GbR, D-83623 Dietramszell